Gondwana

Ein Modell für die Zukunft?

Ein Adler brachte mich auf eine kleine Insel zu einer uralten Kultur, von der ich nicht einmal wusste, dass es sie einmal gab. Die Reste der Kultur befinden sich tief im Pazifik

Unter uns sehe ich Ruinen einer Welt, von der ich noch nie gehört habe. Ich sehe hohe Säulen, das muss einmal ein Palast gewesen sein. Ein paar Mauern stehen noch. Auch von dem, was mal ein Tempel war, stehen die Mauern. Er hatte ein halbrundes Dach, so wie ein halbes Firmament, ein halbes Universum. Ich weiß nicht, welche Kultur hier war.

„Diese Kultur ist schon lange untergangen.“

Jemand ist zu uns getreten. Die Frau ist in himmelblau gekleidet.

„Ich begrüße euch in der untergegangenen Kultur von Gondwana.“

„Aber Gondwana war doch der Urkontinent.“

„Gondwana war auch der Name dieser Kultur. Sie ist so alt wie der Urkontinent. Als der Urkontinent anfing zu driften, ist diese Kultur im Meer versunken.

In Gondwana haben Wesen gelebt, die noch nicht Mensch waren, aber auch nicht mehr ganz der Anderswelt angehörten. Sie waren sehr spirituell und hatten große Fähigkeiten. Sie hatten aber auch schon das Menschliche an sich.“

„Ähnlich wie in Lemuria?“

„Nein. Wir waren noch feinstofflicher. Diese Gesellschaft war ein Segen für die Erde, denn unsere Feinstofflichkeit hat die Erde mit Liebe überzogen. Wir konnten die Wesen oder die Humanoiden, die sonst noch über die Erde streiften, ein bisschen beeinflussen. Wir haben ihnen von unserem Geist gegeben, von unserem Wissen, so dass sie sich entwickeln konnten. Als Gondwana noch auf der Erde war, waren die Menschen oder die Humanoiden rund um unsere Stadt herum sehr hoch entwickelt. Es waren noch nicht die modernen Menschen, aber sie waren nicht dümmer und nicht weniger entwickelt. Sie sahen nur primitiver aus. Das Aussehen sagt aber nichts über den Menschen. Aber eure Archäologen denken, wenn sie einen uralten Schädel finden, dass da nichts drin war, dass diese Menschen Primitivlinge waren, aber das stimmt nicht.

Die anderen Stämme auf Gondwana waren alle sehr weit entwickelt und wir haben alle voneinander profitiert. Sie waren grobstofflich und haben uns als ihre Führer und Lehrer akzeptiert. Nicht als ihre Leiter oder Beherrscher, sondern als ihre Führer und Lehrer. Sie haben uns um Rat gefragt, wir haben sie nicht ausgebeutet. Es war eine schöne Zeit hier in und auf Gondwana. Wir haben einen Weg gefunden, um mit der Natur und den Humanoiden rund herum in Frieden zu leben. Wir haben alles gehabt, was wir brauchen. Wir hatten Technik, wir hatten Fahrzeuge, wir hatten sogar Raumfahrzeuge, wir waren eine sehr hoch entwickelte Gesellschaft. Wir hatten Priester und wir haben zu Madre und Padre Universalis gebetet, zu Jamilina und Jamilo und den ganzen uralten Göttern, die ihr vergessen habt. Es war so viel Harmonie in diesem Reich. Es ist schade, dass Gondwana zerbrochen ist und wir dabei untergegangen sind. Mutter Erde konnte es nicht verhindern, denn auch sie ist den mechanischen Kräften ausgesetzt, die die göttliche Quelle für diese Erde vorgesehen hat. Auch Mutter Erde muss der göttlichen Quelle gehorchen und wenn die sagt, dass ein Kontinent auseinanderbrechen soll, dann tut er das, auch wenn Mutter Erde dabei mit den Zähnen knirscht und weint. Die göttliche Quelle hat das Sagen. So ist Gondwana untergegangen.“

„Wie waren eure Häuser? Erzähle.“

„Wir hatten Häuser aus Marmor. Du kennst ja den Vorteil des Marmors, wir haben ihn dir schon oft erzählt. Jeder Bewohner von Gondwana, jede Familie oder jedes Paar hatte so ein Haus mit einem Garten davor, in dem Blumen blühten und Früchte wuchsen. Wir hatten auch Früchte drum herum und jeder konnte sich nehmen, was er brauchte. Die Früchte gehörten allen. Das Essen gehörte sowieso allen. Wenn einer Tiere hatte, die gehörten allen. Wenn sie geschlachtet wurden, hat jeder, der kam, seinen Teil abbekommen. Wenn jemand Getreide gesät hatte und es wurde reif, haben alle abbekommen. Aber wir waren nicht alle gleich, anders als auf Atlantis. Wir hatten Menschen, die hatten mehr und wir hatten Menschen, die hatten weniger. Aber die weniger hatten, hatten immer noch mehr als genug. Und die mehr hatten, haben von dem gespendet, was sie hatten.“

„Habt ihr gearbeitet?“

„Ja, wir haben gearbeitet, denn wir mussten ja unsere Maschinen herstellen und unsere Lebensmittel verarbeiten, aber wir haben alles mit Achtsamkeit gemacht, auf natürlichem Wege. Wir haben niemanden ausgebeutet dabei.“

„Wie ist das mit den Materialien für eure Maschinen, wo habt ihr die hergeholt?“

„Die hat uns Mutter Erde gegeben. Wir haben immer nur so viel genommen, wie wir brauchten. Wenn eine neue Erfindung gemacht wurde, hat ein Rat darüber beschlossen, ob das Volk sie benötigt oder nicht. Wir hatten so etwas Ähnliches wie einen Fernseher und das reichte vollkommen, da mussten nicht noch tausend neue Varianten entwickelt werden. Man muss sich mit dem, was man hat, bescheiden können, um Mutter Erde nicht unnütz auszubeuten. Wenn etwas funktioniert, muss man es nicht verbessern. Ihr strebt immer nur nach Verbesserungen und das kostet viele Rohstoffe. Wenn ihr mit dem zufrieden wäret, was ihr habt, würden die Rohstoffe geschont werden und ihr könntet eure Kreativität in andere Richtungen lenken – in Richtungen, die der Erde guttun: Alternative Energien, alternative Fortbewegungsmittel, die kein CO² ausstoßen … Es gibt noch so viel zu forschen, aber es geht bei euch immer darum, Profit zu machen und nicht, die Menschheit zu retten, den Hunger und Durst zu stillen.

Aber zurück zu Gondwana.

Die mehr hatten, waren die Chefs in den Fabriken. Wir haben Gehalt bekommen, von dem jeder leben konnte. Es gab keinen Hunger in Gondwana, keine Obdachlosen, keine Armen. Wir hatten Krankenhäuser und jeder konnte dort hingehen, denn es gab keine Krankenversicherung. Jeder hatte das Recht, behandelt zu werden. Die Krankenhäuser und Ärzte wurden von unserer Regierung bezahlt. An der Spitze von Gondwana stand ein Königspaar und das hatte Berater. Die Reichen mussten Steuern zahlen und davon wurden alle sozialen Leistungen bezahlt – die Krankenhäuser, die Schulen, alles, was man eben an sozialen Leistungen hat.

Wenn jemand alt war, wurde er nicht abgeschoben, sondern von seiner Familie gepflegt. Die Menschen in Gondwana sind sehr alt geworden und sie sind gegangen, wenn sie es wollten. Das ist ein großer Vorteil. Ihr müsst siechen, ihr liegt in Pflegeheimen, ihr tut uns leid. Wenn ihr sagt, es ist soweit, ich möchte gehen, dann solltet ihr auch gehen können, ohne menschliche Sterbehilfe, nur mit der Sterbehilfe der Götter, so wie wir es gemacht haben. Aber wir konnten erst gehen, wenn unsere Uhr abgelaufen war. Selbstmord war nicht möglich, den hat man uns nicht erlaubt.

Es gab in Gondwana keine Kriminalität, weil es keine Armut gab. Es ging allen gut, obwohl es Unterschiede gab, in dem, was man hatte. Aber damit sind wir gut fertig geworden. Weil es auf die Menschen zurückfiel, wenn jemand viel hatte. Sie haben es nicht gehortet, um selbst immer reicher zu werden, sondern sie haben es verdient, um es wieder auszuschütten.

Es gab auch Menschen bei uns, die nicht arbeiten wollten, die lieber kreativ sein wollten, malen, dichten … Sie wurden vom Staat unterstützt. Man musste nicht zwangsläufig arbeiten, man konnte so leben, wie man wollte. Wenn du so willst, hatten wir so etwas wie ein Bedingungsloses Grundeinkommen und die Gesellschaft hat damit funktioniert.

Unsere Kinder sind in großer Freiheit aufgewachsen. Sie lebten bei ihren Eltern und wenn ihre Eltern sich trennten, konnten die Kinder wählen, beim wem sie bleiben wollten. Meistens blieben sie bei der Mutter, denn das Verhältnis Mutter-Kind ist ein ganz Besonderes. Es ist schade, dass ihr eure Kinder so früh weggebt, nur um der Karriere willen. Das Verhältnis Mutter-Kind ist unbezahlbar und nur durch Beisammensein zu festigen. Die Kinder haben ihre Eltern geehrt und sie haben sich um sie gekümmert, wenn ihre Eltern einmal krank waren, wiederum haben sich die Eltern um die Kinder gekümmert, dass ihnen kein Leid geschehe. Die Mädchen und Jungen oder die jungen Männer und jungen Frauen konnten sich ihren Partner selbst suchen. Da haben die Erwachsenen oder die Eltern nicht reingeredet.

Es war eine Gesellschaft der Liebe, der Freude, des Glücklich seins. Es ist so traurig, dass Gondwana untergegangen ist.“

„Wo liegt Gondwana etwa?“

„Im tiefsten Pazifik. Vielleicht werden irgendwann einmal Ruinen gefunden werden, aber wir sind so tief, da müsste schon ein U-Boot herunterkommen, das dem hohen Druck standhält. Aber so weit seid ihr noch nicht mit eurer Technik.“

„Was will mir eure Geschichte sagen?“

„Dass man so leben kann, dass alle etwas haben. Dass man so leben kann, dass man Mutter Erde nicht ausbeutet, dass es keine Armut braucht, keinen Hunger, keinen Durst. Dass die Reichen mit Freude geben, damit es allen Menschen gut geht. Und das die Regierung dafür sorgt, dass die Gaben der Reichen gleichmäßig an alle verteilt werden, die es nötig haben. Dass die sozialen Leistungen nicht vom Einkommen abhängig sind und dass die Älteren getragen werden von den Jüngeren. Diese Gesellschaft hat wunderbar funktioniert und sie wäre als Gesellschaft nie untergegangen, wenn Gondwana nicht untergegangen wäre und mit ihr fast alle Bewohner.“

„Haben sich einige Bewohner retten können?“

„Einige haben überlebt, aber es war eine harte Zeit für sie, denn der driftende Kontinent hat kaum etwas an Nahrung hervorgebracht. Viele sind Hungers gestorben. Einige sind nach Atlantis gekommen. Sie haben versucht, das Gondwana-System nach Atlantis zu bringen, aber Atlantis war eine andere Gesellschaft. Die Atlantiden haben nicht gehört, sie haben ihre Gesellschaft der Gleichheit weiter praktiziert und die aus Gondwana haben gewusst, was dabei herauskommt. Sie hatten es selbst schon einmal in ihrer langen Geschichte erlebt. Sie haben daraus gelernt, so wie auch ihr aus dieser Geschichte lernen sollt.

Die Reichen müssen geben, damit es allen gut geht und es wird Friede sein auf Erden, weil es keinen Hunger und keine Not mehr gibt. Jeder hat die soziale Versorgung, die er braucht – Krankenhäuser, Schulen, es ist alles da. Wenn nur die Reichen abgeben und die Regierungen es so verteilen, wie es sein muss.

Gondwana hatte keine Armee. Gondwana hatte es nicht nötig, sich zu verteidigen, weil die umgebenden Stämme respektvoll zu uns waren und so wird es auch bei euch sein. Die umgebenden Länder werden sich mit Respekt begegnen, weil es allen gleich gut geht. Es gibt keinen Grund, sich zu bekriegen.

Das ist es, was ich euch sagen wollte. Hast du dazu noch Fragen?“

„Ich bin etwas erstaunt, dass es diese uralte Gesellschaft gibt, von der nie jemand erzählt.“

„Legenden von Gondwana gibt es so gut wie gar nicht, weil es so lange vor eurer Zeit, vor Atlantis, vor Avalon existierte. Erst als Gondwana untergegangen ist, haben sich die ganzen Kontinente gebildet, hat die Erde langsam das Gesicht bekommen, das sie heute hat. Es ist schade, dass wir dabei untergegangen sind, aber wahrscheinlich musste es sein, denn sonst hätten sich viele Dinge nicht so entwickelt, wie sie sich entwickelt haben. Die Vorsehung hat einen Plan für die Erde und dieser Plan muss eingehalten werden.“

„Sieht dieser Plan auch vor, dass wir uns bekriegen, dass so viele Menschen sterben für das Machtbewusstsein oder für eine Religion, einen Glauben?“

„Nein, das hat die Vorsehung nicht so geplant, aber du weißt, dass es auf eurem Planeten dunkle Kräfte gibt, die noch nicht besiegt sind. Diese dunklen Kräfte haben ihre Hände im Spiel. Ihr müsst die dunklen Kräfte bekämpfen.“

„Ja.“

„Nimm dies mit in deine Welt: Man kann so leben, dass es allen gut geht, dass man Mutter Erde schont und glücklich und zufrieden ist. Nicht Reichtum macht Glück und Zufriedenheit aus, sondern die Freude am Leben, die Freude am Sein, Kreativität, zu tun, was man möchte. So, wie es auf Gondwana war.

Ihr müsst mit den Völkern rund herum in Frieden leben und die Reichen müsse geben, sodass es keine Armut mehr gibt. Ihr braucht eine andere Regierung, die sozialer ist. Eure jetzige Regierung ist zu sehr auf Macht und Machterhalt ausgerichtet. Sie ist weniger für die Menschen da, als für sich selbst. Ihr braucht wirklich soziale Führer da oben. Aber die Zeit wird kommen, dass ihr sie bekommt – obwohl es im Moment schwer abzusehen ist, wohin sich Europa und die anderen Länder entwickeln. Die Vorsehung ist am Schwanken. Im Moment läuft vieles schief. Wir werden sehen.

Jetzt verabschiede ich euch. Es war mir ein Vergnügen, euch hier in Gondwana begrüßen zu dürfen.“

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