Steingeister: Steine leben

Nach einer heftigen Konfrontation mit den Kräften des Bösen kam ich endlich in der Anderswelt auf einer Wiese an. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Protokoll der interessanten Reise. Die Worte der Steingeister sind in kursiv gehalten.

Die Wiese formt sich zu einem Kreis, um den Steine aus der Erde sprießen, in der Mitte wächst ein Steinaltar. Wir wohnen der Entstehung einer Thingstätte bei! Mit dem Altar erscheint ein Mann, der wie der Hohe Priester dieser Stätte aussieht und ein bisschen wie ein Magier. Er verbeugt sich vor uns.

Willkommen im Kreis der Steine. Ihr wisst doch, Steine sind lebendig. Sie geben euch Energie, wenn ihr sie braucht, und nehmen sie, wenn ihr zu viel davon habt. Steine gleichen aus. Ihr seid heute willkommen im Reich der Steingeister.“

Aus dem Altarstein steigt eine Gestalt empor: Der Herr der Steingeister. Daneben steigt ein weiblicher Steingeist empor, die Herrin. Auch wenn sie später kommt, sind beide gleichberechtigt und jeder hat seinen eigenen Aufgabenbereich. Der wird nach Können, Spaß, Lust und Laune gewählt, so dass sich jeder bei seiner Arbeit wohlfühlt. Es herrscht kein Zwang.

„Dafür werden wir zu alt, um unter Zwang leben zu können“, sagen sie. „Wir brauchen Freiheiten in unserem langen Leben und müssen Arbeiten verrichten, die uns Freude machen, sonst wären die vielen Millionen Jahre nicht zu ertragen. Jahre kommen und gehen und irgendwann wiederholt sich alles. Das wäre auf Dauer langweilig. Ihr glaubt hoffentlich nicht, dass ihr die ersten Menschen auf diesem Planeten seid, nein, und ihr werdet auch nicht die letzten sein.“

„Wir haben euch eingeladen, um kundzutun, dass Steine Lebewesen sind. Wir sind kein totes Material und fühlen Schmerzen, wenn ihr zum Spaß auf uns herumklopft, um zum Beispiel Fossilen freizulegen. Wir mögen auch nicht, wenn auf uns herumgehüpft wird, weil es toll ist, von Stein zu Stein zu springen. Das tut uns weh. Wir lassen uns gern zu einem Haus verbauen, aber wir mögen nicht zu eurem Vergnügen misshandelt werden.“

„Wie alles auf dieser Erde sind wir Kinder der Göttin und wie ihr Brüder und Schwestern aller Lebewesen. Daran müsst ihr stets denken. Aber ihr schafft es ja nicht einmal, andere Menschen als eure Geschwister zu betrachten, obwohl ihr doch alle glaubt, dass ihr von Adam und Eva abstammt.“

„Ihr müsst euch erinnern, dass ihr eins seid“, sagt die Herrin, „zwar nicht von Adam und Eva, aber Kinder der Göttin und des Gottes. Ihr Menschen seid Brüder und Schwestern auf dieser Erde, ihr seid aber auch unsere Geschwister und die der Bäume, Tiere und Pflanzen, denn wir alle haben die gleichen Eltern.“

„Den Rassismus, den ihr praktiziert, und das Herabblicken auf Menschen, die anders sind als ihr, haben wir hinter uns. Wir haben uns weiterentwickelt, für uns sind wirklich alle Brüder und Schwestern. Wir Steingeister leben in der Göttin und im Gott. Vielleicht ist es für uns einfacher, weil wir nicht so beweglich sind, obwohl wir natürlich unser Haus verlassen können. Wir haben lediglich einen bestimmten Radius, den wir nicht überschreiten dürfen, denn sonst würde der Stein zerbröseln. Wir entfernen uns nur von diesem Kreis, wenn wir zur Göttin und zum Gott zurückkehren wollen. Das kommt vor, allerdings selten. Wir kennen unsere Aufgaben, wir sind Baumaterial und manchmal auch Stolpersteine.“

„Wir bauen die Berge, wir bauen eure Landschaft. Es ist unsere Aufgabe, die Erde nach den Wünschen der Göttin zu formen. Kein Stein liegt irgendwo aus Zufall, es ist Absicht der großen Gestalter. Sie haben sich ein Bild von dieser Erde gemacht und wir arbeiten daran, es zu verwirklichen. Wir sind noch nicht fertig, weil alles seine Zeit braucht, manches braucht mehrere Millionen Jahre. In jedem Stein, der auf die Erde kommt, ist ein lebendiges Wesen, das müsst ihr euch vor Augen halten, wenn ihr Steine so lieblos behandelt.“

Das Gespräch ist unterbrochen, meine Gesprächspartner sind fort. Um mich herum ist es still, aber ich spüre keine negative Energie.

Wir haben Gesellschaft bekommen. Vor uns steht eine titanische Gestalt! Sie sieht aus wie aus Granit, geformt, sie kann sich bewegen und ist geschmeidig. Ich bestaune gigantische Füße und lange Beine. Das Gesicht ist nicht zu sehen, weil es hoch über mir ist. Der Hüne ist der oberste Herr der Steingeister aller Planeten, nicht bloß der Erde. Gegen ihn sind selbst Riesen klein. So etwas habe ich noch nicht gesehen.

Er setzt mich und meine Begleiter auf seine Hand und hebt uns in luftige Höhen. Er hält die Hand, auf der wir sitzen, vor sein Gesicht, aber es ist so groß, dass ich nur ein Auge sehe.

„Ich versuche leise zu sprechen“, sagt er, „denn wenn ich normal rede, werdet ihr von der Hand gefegt, das möchte ich nicht. Ich freue mich, dass ihr in das Reich der Steingeister gekommen seid, damit die Menschen erfahren, dass auch Steine Lebewesen sind, die man nicht einfach lieblos und achtlos beiseitelegt, kaputt macht und mit Füßen tritt.“

„Es tut mir weh, wenn ich sehe, wie lieblos die Steine behandelt werden, obwohl sie äußerst wichtig sind für euren Planeten. Sie schaffen das Gleichgewicht, sorgen dafür, dass die Erde nicht kippt. Auf Steinen wachsen Moose und Pilze, die für andere Nahrung sind, wir kommunizieren mit den anderen Wesen, wir haben ein langes Gedächtnis, das viele Milliarden Jahre zurückreicht. Wir können euch die Geschichte des Planeten erzählen, wenn uns jemand fragt.“

Wir Steingeister sorgen dafür, dass die Steine nicht auseinanderbrechen, sondern zusammenhalten. Das ist unsere ureigene Aufgabe. Ohne uns würden eure Gebäude zusammenfallen wie Kartenhäuser. Wir sind nützliche Wesen, aber ihr müsst es erst erkennen, um uns zu würdigen. Wenn wir aufhören, für die Erde zu arbeiten, würden alle Häuser und Bauwerke in sich zusammenstürzen.“

„Seid nicht so lieblos mit den Steinen und euren Häusern. Ehrt sie, dann wird es euch gut gehen, dann werdet ihr die guten Energien der Steingeister spüren. Wer seine Wohnung hasst, wird nie glücklich werden, die Steingeister spüren es und ziehen sich zurück. Sie halten nur noch die Wände, aber sie geben keine positive Energie mehr. Liebt eure Wohnung, liebt die Häuser, liebt die Steine. Wir sind lebendig.“

Wir mögen es, wenn uns ab und zu ein Geschenk gemacht oder ein Opfer gebracht wird. Nein, kein Blut, keine Angst, wir brauchen kein Blut. Aber Räuchern ist angenehm, eine Blume, die uns geweiht ist oder uns mit Wasser übergießen, was auch den Staub entfernt, wenn es lange trocken ist. Wenn unsere Poren verstopft sind, können wir schlecht atmen. Es gibt viel, womit ihr uns eine Freude machen könnt und wir sind sehr dankbar. Ihr werdet es merken, wenn ihr uns ehrt.“

„Wir sind traurig, weil die Menschen uns vergessen haben. Sie arbeiten zwar mit Kristallen, aber nicht mit den ‚normalen‘ Steinen. Ich weiß, dass du manchmal schöne Steine aufhebst und mitnimmst, das freut uns. Deshalb legen wir dir solche Steine auf den Weg, weil wir wissen, dass du sie ehrst. Steine haben Kraft, Energie und sie sind Helfer der Menschheit – wenn man weiß, wie man sie nutzt.“

Jetzt fährt die Hand, in der wir sitzen, wieder abwärts. Das ist spaßig. Wir landen weich in dem Steinkreis.

„Wisst ihr, früher hat man diese Steinkreise geehrt, es waren Kraftorte, Orte der Weisheit, der Gerechtigkeit, des Betens zu den Göttern. Es gibt hin und wieder noch Steinkreise, aber sie haben nicht mehr die Energien der ursprünglichen, denn sie wurden nicht mit Liebe und Glauben errichtet, sondern um Touristen anzulocken. Sie haben Energien, aber nicht mehr unsere.“

Wenn ihr euch etwas Gutes tun wollt, zieht einen Steinkreis. Er muss nicht groß sein, es reicht, wenn ihr euch hineinstellen könnt. Sammelt Steine und legt sie kreisförmig aus. Wenn ihr erschöpft seid oder Hilfe braucht, stellt euch in diesen Kreis. Ihr werdet alles bekommen, was ihr benötigt, denn die Steine und alle anderen aus der Geistigen Welt arbeiten eng zusammen. Das war das Schlusswort für heute. Wir verabschieden uns.“

 

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